Eric Yeung-Schüürmann an seinem neuen Arbeitsplatz in der KAIFU
Eric Yeung-Schüürmann im Interview

Eric Yeung-Schüürmann im Interview

Neuigkeiten

„Wohnen muss bezahlbar sein“

Der neue KAIFU-Vorstand Eric Yeung-Schüürmann spricht über Mieten, Neubauprojekte und seinen beruflichen Werdegang

 

Was hat Sie am Vorstandsamt der KAIFU besonders angesprochen, sodass Sie sich für den Wechsel aus Süddeutschland nach Hamburg entschieden haben?

Die KAIFU ist eine traditionsreiche Genossenschaft mit vielen spannenden und anspruchsvollen Aufgaben. Mich hat besonders gereizt, dass es hier großen Gestaltungsspielraum gibt: Dinge weiterzuentwickeln, anzustoßen und gemeinsam mit dem Team voranzubringen. Genau diese Verbindung aus Verantwortung, Gestaltung und genossenschaftlichem Auftrag passt sehr gut zu dem, was ich beruflich machen möchte.

Der private Schritt nach Hamburg hat die Entscheidung zusätzlich bestärkt. Durch die Geburt unseres Sohnes war für meine Frau und mich klar, dass wir wieder näher bei unserer Familie im Norden leben möchten. Im Vordergrund stand für mich aber die Aufgabe bei der KAIFU.

 

Wie haben Sie Ihre ersten Wochen bei der KAIFU erlebt? Sind Sie gut angekommen?

Ich wurde von allen Kolleginnen und Kollegen sehr offen, herzlich und wertschätzend empfangen, was mich wirklich positiv überrascht hat. Zudem ist deutlich spürbar, dass eine große Motivation besteht, bestehende Herausforderungen aktiv anzugehen und die Genossenschaft gemeinsam weiterzuentwickeln. Die Kolleginnen und Kollegen bringen viel Engagement und Wertschätzung für ihre Arbeit mit. Diese Haltung spürt man und sie macht mir große Freude mit Blick auf die kommenden Jahre.

 

Sie sind aufgewachsen in Mannheim…

Ja, dort bin ich zur Schule gegangen, habe dann in Heidelberg und Greifswald Betriebswirtschaft studiert.

 

Sie kommen aus einer Ärztefamilie. Lag ein Medizinstudium da nicht nahe?

Das stimmt. Meine Eltern sind beide Ärzte. Aber ich habe mich schon in der Schule sehr für wirtschaftliche Zusammenhänge interessiert. Mein ursprünglicher Plan war es, Gesundheitswesen und BWL zu kombinieren. Aber nach einem kurzen Zwischenstopp bei einem privaten Klinikbetreiber habe ich gemerkt, dass ich lieber in einem Bereich arbeiten möchte, wo der Fokus noch stärker auf dem Sozialen liegt. Daher der Wechsel in die soziale Wohnungswirtschaft. Und den habe ich bis heute nicht bereut.

 

Haben Sie auch familiäre Berührungspunkte mit der Wohnungswirtschaft?

Ja, mein Großvater war Geschäftsführer der GBG - Mannheimer Wohnungsbaugesellschaft. Meine Mutter hat ihn oft gefragt, warum manche seiner Gebäude so wenig ansprechend wirken. Ich glaube, dass ihn das hart getroffen hat, denn er war ja Architekt. Man muss aber auch sehen: In der Nachkriegszeit ging es vor allem darum, möglichst schnell bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

 

Sie haben dann zunächst beim Verband der Wohnungswirtschaft Bayern als Prüfungsassistent gearbeitet. Hat Sie der Umgang mit Zahlen immer schon gereizt?

Zahlen können viel sichtbar machen: Zusammenhänge, Entwicklungen und Herausforderungen. Sie helfen dabei, Probleme zu erkennen und Prioritäten zu setzen. Gerade dann, wenn man wirklich etwas verbessern möchte. Freude bereiten mir dabei nicht die Zahlen an sich, sondern das, was möglich wird, wenn man sie gezielt als Werkzeug einsetzt. Dass diese Begeisterung nicht jeder teilt, kann ich gut nachvollziehen. Bei meiner Tätigkeit im Verband ging es aber ohnehin um mehr als Jahresabschlüsse und die wirtschaftliche Lage der Mitgliedsunternehmen. Ein wichtiger Teil war auch die Beratung, zum Beispiel bei strategischen Fragen. Besonders spannend fand ich den Austausch mit Vorständen, die mit großem Engagement daran arbeiten, Mieten bezahlbar zu halten. Genau diese Verbindung aus wirtschaftlicher Verantwortung und sozialem Auftrag hat mich sehr angesprochen.

 

Dennoch sind Sie dann in das operative Geschäft gewechselt. Was gab den Ausschlag?

Ausschlaggebend waren vor allem zwei Punkte. Zum einen war die Tätigkeit als Prüfer auf Dauer nur schwer mit dem Familienleben vereinbar. Ich war sehr viel unterwegs, häufig direkt bei den Unternehmen vor Ort, die ich geprüft habe. Das bedeutete viele Hotelübernachtungen und wenig Alltag zu Haus, gerade in einem großen Bundesland wie Bayern. Zum anderen wollte ich stärker gestalten. Als Prüfer kann man beraten, Hinweise geben und Empfehlungen aussprechen. Ich wollte aber in eine Rolle wechseln, in der ich Veränderungen nicht nur anstoße, sondern auch selbst mitgestalten und in der Umsetzung begleiten kann. Genau das hat mich am operativen Geschäft gereizt.

 

Sie wurden dann beim kommunalen Unternehmen Wohnungsbau Ludwigsburg, der WBL, Leiter Betriebswirtschaft und Finanzierung und haben als Vorstand die Bürgergenossenschaft Wohnen gegründet. Wie kann man sich das vorstellen?

Die WBL plant und baut Mietwohnungen nur in der Stadt. Die Idee der Bürgergenossenschaft war, dass wir bezahlbaren Wohnraum im ganzen Landkreis Ludwigsburg schaffen. Mit vielen Bürgermeistern, mit den örtlichen Sparkassen, aber auch mit sozialen Trägern wie der Caritas. Und das Konzept hat funktioniert.

 

Was nimmt man aus einer solchen Neugründung für spätere Aufgaben mit?

Dass man bei solchen Projekten dranbleiben muss. Man braucht Geduld, Ausdauer und eine gewisse Frustrationstoleranz. Gerade die Anschubfinanzierung ist für viele neue Genossenschaften eine große Hürde und nicht selten der Punkt, an dem gute Ideen scheitern. Ich kenne solche langen Wege auch aus eigener Erfahrung, wenn auch in einem anderen Kontext: Während meines Studiums in Greifswald habe ich gemeinsam mit Freunden den Verein „Greifsbloc“ gegründet. Damals gab es dort noch keine Boulderhalle, und weil ich diesen Sport liebe, haben wir eine Lagerhalle angemietet und sie Schritt für Schritt umgebaut. Auch das war aufwendig. Allein die Vereinsgründung hat ein Jahr gedauert, dazu kamen Fragen der Finanzierung, Versicherung und Verantwortung. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, an einer guten Idee festzuhalten. Auch wenn der Weg dorthin länger und komplizierter ist als gedacht.

 

Auch bei Ihrer nächsten Station in Coburg, einer Stadt mit rund 40.000 Einwohnern in Oberfranken, waren Sie in einer Doppelfunktion tätig.

Ja, als Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises Coburg sowie als Vorstand bei der Baugenossenschaft des Landkreises Coburg.

 

Was waren dort die größten Herausforderungen?

Eine zentrale Herausforderung war der Leerstand. Viele Gebäude entsprachen nicht mehr den heutigen Anforderungen. Schon vor meinem Amtsantritt hatte man deshalb stark auf Modernisierung gesetzt, und diesen Weg habe ich weitergeführt. Gleichzeitig sind die Mieten im Vergleich zu Hamburg sehr niedrig: Sowohl bei der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft als auch bei der Baugenossenschaft liegen sie bei rund fünf Euro pro Quadratmeter. Das ist sozial wichtig, macht Investitionen aber anspruchsvoll. Denn bei so geringen Mieteinnahmen lassen sich Modernisierungen nur schwer finanzieren.

 

Der Kontrast zu Hamburg könnte kaum größer sein: Bei der KAIFU ist die Nachfrage nach Wohnungen sehr hoch. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Wohnungswirtschaft, vor allem mit Blick auf Modernisierung und das Ziel der CO₂-Neutralität.

Das Ziel einer CO₂-neutralen Wohnungswirtschaft teile ich ausdrücklich. Wir tragen Verantwortung dafür, kommenden Generationen eine lebenswerte Welt zu hinterlassen. Zugleich dürfen wir die Bezahlbarkeit des Wohnens nicht aus dem Blick verlieren. Die Herausforderung liegt darin, Klimaschutz und bezahlbaren Wohnraum gemeinsam zu denken. Daran möchte ich mitarbeiten.

 

Das Vorziehen auf 2040 durch den Hamburger Zukunftsentscheid macht dies nicht leichter.

Das stimmt. Angesichts der hohen Kosten für energetische Modernisierungen werden wir Mieterhöhungen nicht vollständig vermeiden können. Wichtig ist uns, bei diesem Thema verantwortungsvoll und mit Augenmaß vorzugehen. Bezahlbarer Wohnraum ist für mich eine der zentralen Herausforderungen in Deutschland in den kommenden Jahren und ein Thema mit großer gesellschaftlicher Bedeutung.

 

Machen Neubauten in diesen Zeiten noch Sinn?

Auf jeden Fall. Allerdings müssen die Baukosten runter. Nach einer aktuellen Studie liegen die Baukosten in Deutschland mit rund 5.150 Euro pro Quadratmeter an der Spitze im europäischen Vergleich. Besonders stark fallen dabei die Baunebenkosten ins Gewicht, etwa für Planung, Genehmigung und Gutachten. Allein hier reden wir in Deutschland über 490 Euro pro Quadratmeter, in Österreich bei nur 210 Euro. Laut einer Analyse der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen sind rund 27 Prozent der gestiegenen Baukosten seit dem Jahr 2000 auf erhöhte gesetzliche Anforderungen zurückzuführen. Das müssen wir kritisch hinterfragen und gegebenenfalls wieder ändern. Mit dem neuen „Hamburg-Standard“ geht Hamburg einen wichtigen Schritt, um Baukosten zu senken. Gleichzeitig wird das allein nicht ausreichen. Die Stadt sollte auch ihre Bodenpolitik überdenken. Für Genossenschaften ist das Erbbaurecht häufig wenig attraktiv, weil es langfristige Finanzierungen erschwert und zusätzliche Unsicherheiten schafft. Wer dauerhaft bezahlbaren Wohnraum ermöglichen will, muss Grundstücke zu verlässlichen und tragfähigen Bedingungen bereitstellen.

 

Herr Yeung-Schüürmann, kommen wir noch kurz zu Ihnen privat: Wie sind Sie und Ihre Familie in Hamburg angekommen – nach dem Wechsel von Coburg in die zweitgrößte Stadt Deutschlands?

Wir wohnen jetzt in Eimsbüttel und waren positiv überrascht, wie familienfreundlich und ruhig der Stadtteil ist. Gleichzeitig gibt es hier viele gute Cafés und Restaurants. Wir fühlen uns sehr wohl.

 

Und hatten Sie schon Zeit zum Bouldern?

Nein, noch nicht. Aber die Kletterhalle Salon du Bloc kenne ich von früheren Hamburg-Besuchen. Sie liegt ganz in der Nähe unserer Wohnung. Dorthin möchte ich möglichst bald einmal gehen.

 

Text: Peter Wenig

Fotos: Catrin-Anja Eichinger